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Chronische Tonsillitis (chronische Mandelentzündung)

Definition Symptome Komplikationen Therapie Prognose
 
Definition

Was ist eine chronische Mandelentzündung?
Die chronische Tonsillitis ist eine ständige bakterielle Entzündung der Gaumenmandeln infolge rezidivierender, oft symptomarmer Anginen (akuter Mandelentzündungen).

Die häufigsten Erreger sind ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und eine aerob-anaerobe Mischflora.

Sie kann in jedem Lebensalter auftreten.

Bei der chronischen Mandelentzündung liegt eine Art "Dauerentzündung" des Mandelgewebes vor. Bakterienprodukte und abgestorbene Zellen lagern sich im Mandelgewebe (in den Krypten) ab und unterhalten eine ständige Entzündung. Das führt zur zunehmenden Vernarbung und Zerklüftung des Gewebes, wodurch das Krankheitsgeschehen weiter vorangetrieben wird.

Eine oft auftreten akute Mandelentzündung kann zu einer chronischen Tonsillitis mit entsprechenden Komplikationen führen.

Welche Aufgaben haben die Mandeln?
Die Gaumenmandeln liegen am Übergang von der Mundhöhle zum Schlund zwischen vordern und hinteren Gaumenbogen.

Sie sind, neben anderen Geweben des Körpers, für die Ausbildung des Immunsystem mit verantwortlich. Der Körper lernt, körperfremde und schädliche Stoffe wie Viren oder Bakterien abzuwehren.
Die Ausbildung des Immunsystems erfolgt in den ersten Lebensjahren. Die Grösse der Mandeln nimmt vom 1. bis 3. Lebensjahr stetig zu (Gipfel um das 3. und 7. Lebensjahr). Mit Beginn der Pubertät bilden sie sich langsam wieder zurück. Danach haben die Tonsillen keine entscheidende Funktion mehr, sodass deren Entfernung meist auch keinerlei Beschwerden nach sich ziehen.

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Welche Beschwerden (Symptome) treten auf?

  • meist unchrakteristische Schluckbeschwerden und häufiges Kratzen im Hals
  • immer wiederkehrendes Gefühl, einen "dicken Hals" zu haben
  • Trockenheitsgefühl im Rachen
  • manchmal Mundgeruch und unangenehmer Geschmack
  • wiederkehrende Infekte
  • ständige Lymphknotenschwellung im Halsbereich
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    Komplikationen

  • Die chronische Entzündung der Mandeln kann ein "Herd" (Fokus) für andere entzündliche Krankheiten sein. Durch Verbreitung der Bakterien und Bakterienprodukte in den Körper kann es so zu Entzündungen in anderen Organen kommen: z.B. Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Nierenschmerzen sowie Hautprobleme.
  • Peritonsillarabszess:
  • Eiteransammlung im umgebenen Gewebe: meist einseitige, Schluckschmerzen, Ausbildung einer Kieferklemme, also einer schmerzhaften, erschwerten oder unmöglichen Mundöffnung sowie ansteigendes Fieber und eine "klossige" Sprache. Die Mandel ist stark geschwollen, das Gaumen vorgewölbt. Eine Gefahr besteht darin, dass die Erreger in die nahe gelegene Blutbahn eindringen (sogenannte Blutvergiftung) und sich so im ganzen Körper ausbreiten. Das kann zu schweren Erkrankungen in anderen Organen führen.
    Welche Untersuchungen haben Sie beim HNO-Arzt zu erwarten?
  • HNO-Untersuchung: Mandeln können sowohl atroph (klein) als auch hypertroph (groß) sein. Aus ihnen kann sich bei Druck ein trübes Sekret oder eine krümelige Masse (Detritus) entleeren. Die Gaumenbögen sind oft gerötet.
  • Hals: Halslymphknoten sind oft geschwollen, ohne schmerzhaft zu sein)

    Im Einzelfall wird untersucht:
  • Endoskopie: Nase, Nasopharynx
  • Kehlkopfuntersuchung
  • Blutuntersuchzung: Blutsenkung, Differentialblutbild, Antistreptolysintiter (Nachweiss des Antikörpers Antistreptolysin gegen Gifte (Toxine) der Streptokokken im Blut), CRP
  • Röntgen: Nasennebenhöhlen
  • Abstrich (aus Tonsillenkrypten) zur Bestimmung des Erregers
  • Ultraschall: Hals, evtl. Tonsillenregion
  • Interdisziplinäre Untersuchungen bei Verdacht auf Fokalintoxikation (z. B. Innere Medizin, Pädiatrie, Dermatologie)

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    Therapie

    Eine konservative Therapie kann versucht werden:
    Eine konserative Therapie ist langfristig nicht erfolgversprechend.
    Das Immunsystem stabilisierende pflanzliche oder homöopatische Medikamente können sinnvoll sein.
    Versuch: Absaugen des Detritus, Pinselung der Tonsillen mit desinfizierender Lösung

    Wann ist eine Operation notwendig?
    Bessern sich die Beschwerden trotz konservativer Therapie nicht, oder treten mehrmals im Jahr akute Mandelentzündungen auf, ist eine Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) angeraten.
    Nur dadurch kann der Infektionsherd beseitigt werden.

    Eine Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) sollte auch erfolgen bei:
  • Beschwerden mit typischem Lokalbefund, rezidivierende Anginen, Tonsillenhyperplasie i.S. eines mechanischen Hindernisses, Verdacht auf Fokus für andere Erkrankungen, Mundgeruch
  • z.B. bei chronischer Pharyngo-Laryngitis (evtl. Tonsillektomie)
  • Zusatzeingriffe können manchmal sinnvoll sein: z.B. Sanierung der oberen Luftwege (Septumplastik, Conchotomie, NNH-Operation), evtl. Mikrolaryngoskopie (direkte Kehlkopfuntersuchung)

    Die Mandelentfernung ist mit einem Krankenhausaufenthalt von einer Woche verbunden.

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    Prognose

    Die Mandeloperation führt meist zu einer Besserung der lokalen Symptomatik und des Allgemeinbefindens. Es wird fast immer eine bleibenden Beschwerdefreiheit erreicht.
    Selten tritt nach Mandelentfernung infolge bakteriologischer oder viraler Infektionen eine Rachenentzündung (Pharyngitis) verstärkt auf.

    Erkrankungen, bei denen der Ausgangsherd in den Tonsillen vermutet wurde, werden manchmal nur zum Teil gebessert.
     
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