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Hörsturz


Definition Ursachen Symptome Untersuchung Therapie Prognose Vorbeugung
 
Definition

Der Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schwerhörigkeit oder Ertaubung, meist einseitig. Eine Ursache hierfür ist meist nicht erkennbar.

Hinweis: Der Hörsturz ist eine Eilfall und kein Notfall. Suchen Sie deshalb in den nächsten 24 Stunden einen HNO-Arzt auf, damit eine Therapie eingeleitet werden kann.

Der Hörsturz ist eine häufige Ohrerkrankung. Statistisch fällt eine Erkrankung auf 3000 Einwohner. Der Häufigkeitsgipfel liegt um das 50. Lebensjahr.

 
 
Ursachen

Meist findet man keine alleinige Ursache für den Hörsturz. Häufg fallen mehrere mögliche Ursachen zusammen.
Der Hörsturz ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass alle anderen Erkrankungen, die ebenfalls mit einer Schwerhörigkeit einhergehen, nicht als Ursache in Frage kommen.

Als Ursachen für eine Hörsturz können in Frage kommen:
  • Gefäßveränderungen im Innenohr: Bei Arteriosklerose, Diabetes mellitus oder Entzündungen der Gefäßwände auf dem Boden einer Autoimmunkrankheit kann es zum plötzlichen Gefäßverschluss kommen. Dabei entstehen Blutgerinsel, welche die Durchblutung des Innenohres stoppen.
  • Stress: Hierbei werden vermehrt Katecholamine (Adrenalin) ausgeschüttet, die zu Gefäßkrämpfen führen. Dadurch kann die Durchblutung des Innenohres gedrosselt oder ganz unterbunden werden.
  • Halswirbelsäule: Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule mit folgender Minderung der Durchblutung des Innenohres können Ursache für einen Hörsturz sein. Auch nach einem Schleudertrauma, wie es bei einem Verkehrsunfall auftreten kann, könnte zum Hörsturz führen.
  • Blutdruckveränderungen: sowohl ein zu niedriger, als auch ein zu hoher Blutdruck.
  • Virusinfekte: Einige Viren beeinflussen und schädigen das Innenohr. Bekannt ist ein möglicher Hörsturz bei Mumps, Masern, Röteln, Herpes, AIDS und Grippevirusinfektionen.
  • Bakterielle Infektionen: Eine Borrelieninfektion oder eine akute Mittelohrentzündung kann in der Folge zu einem Hörsturz führen.
  • Einblutungen und Verletzungen: Schädelverletzungen oder -traumen gelten als Ursachen.
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    Symptome

    Plötzlich hört man auf einem Ohr schlechter oder ist fast taub. Meist ist dies nur einseitig, ganz selten doppelseitig der Fall.

    Gleichzeitig können Ohrgeräusche (in ca. 80%), Druckgefühl im Ohr (in ca. 50%), Schwindel (in ca. 30%) Hörveränderung i.S. Diplakusis (Echohören, verzerrtes Hören) (ca. 25%) auftreten.
    Das Gefühl, als sei Watte im Ohr wird von vielen Patienten angegeben. Diese Symptome können auch Vorboten des Hörsturzes sein.

    Hinweis: Der Hörsturz ist eine Eilfall und kein Notfall. Suchen Sie deshalb in den nächsten 24 Stunden einen HNO-Arzt auf, damit eine Therapie eingeleitet werden kann.

    Andere neurologische Symptome wie Taubheitsgefühl der Haut, Seh- oder Sprachstörungen treten nie beim Hörsturz auf! Bemerkt man sie doch, kann man davon ausgehen, dass ein kleiner Schlaganfall mit Durchblutungsstörungen der Hirnregion aufgetreten ist.

     
     
    Untersuchungen

    Das plötzliche Ereignis der Schwerhörigkeit ohne erkennbare Ursache berechtigen zur Arbeitsdiagnose Hörsturz.

    Im Laufe der Untersuchungen müssen alle Ursachen, die zu einem Hörsturz führen können, ausgeschlossen werden.
    Nach der HNO-ärztlichen Untersuchung folgt ein Hörtest. Dieser zeigt das Ausmaß der Schwerhörigkeit an und wird in der Folgezeit zur Verlaufkontrolle eingesetzt.

    Weitere Untersuchungen können Tympanometrie, objektive Hörmessung (Otoakustische Emissionen oder BERA) und Gleichgewichtsprüfung sein.

    Im Einzelfall sind Blutuntersuchungen, Bestimmung des Ohrgeräusches, Röntgen, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße sinnvoll.
    In manchen Fällen wird man weiterführende Untersuchungen durch einen Internisten, Neurologen, Orthopäden, Augenarzt oder Psychologen veranlassen.

     
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    Therapie

    Aus der Erfahrung, dass ein Hörsturz bei Stress oder außergewöhnlichen Belastungen gehäuft auftritt, gilt es, den Patienten aus seiner gewohnten Umgebung bzw. seinem Alltag herauszunehmen. Deshalb wird eine befristete Krankschreibung empfohlen.
    Die Therapie erfolgt in vielen Fällen ambulant, nur in Ausnahmefällen stationär im Kankenhaus.

    Die Standardtherapie sind Infusionen mit Medikamenten, welche die Gefäße erweitern und die Fließeigenschaften des Blutes verbessern.
    Die Auswahl der Medikamente erfolgt nach der Stärke des Hörverlustes. Oft werden zusätzlich Kortison oder Prokain verabreicht.
    Nach Bendigung der Infusionstherapie werden weiterhin für eine begenzte Zeit Tabletten verschrieben.
    Vitamin C und Vitamin B Präparate können sinnvoll sein.

    Eine Sauerstofftherapie kann erfolgversprechend sein, wird aber meist nicht von der Krankenkasse bezahlt.

    Wichtig:
    Der Patient muss zur Ruhe kommen. Jeder "Stress" kann zu einer Verschlechterung der Situation führen. Deshalb sollte nicht zur Arbeit gegangen werden und nicht der gewohnte Alltag fortgesetzt werden. Eine Veränderung der Lebensführung sollte angestrebt werden. Maßnahmen zur Aufarbeitung von Stresssituationen können z.B. mit einem Psychologen erfolgen. Zum Stressabbau eignen sich verschiedene Therapieformen, z.B. das autogene Training.

    Werden andere Ursachen gefunden, muss eine entsprechende Therapie erfolgen. Dazu zählen z.B. die Einstellung des Blutdruckes und Blutzuckers oder eine Manualtherapie der Halswirbelsäule.

    Führt die Therapie nicht zum Erfolg und bleibt eine beeinträchtigende Schwerhörigkeit bestehen, ist ein Hörgerät zu empfehlen.

     
     
    Prognose

    Oft tritt ein Hörsturz nur einmal im Leben auf und das Gehör erholt sich vollständig.
    In einigen Fällen kann ein Hörverlust oder ein Ohrgeräusch bestehen bleiben.

    Bei einigen Patienten tritt der Hörsturz wiederholt auf.
    Mit Rezidiven muss bei Risikogruppen (Herz-Kreislauf-Krankheiten, Stoffwechselkrankheiten, Stress-Berufe) gerechnet werden. Deshalb ist die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung bzw.- die Bekämpfung der auslösenden Faktoren wichtig. Mit zunehmender Rezidivhäufigkeit verschlechtert sich die Prognose.

     
     
    Vorbeugung

    Einen sichere Prophylaxe gegen einen Hörsturz gibt es nicht. Man kann nur einige Risikofaktoren vermeiden.

    Grunderkrankungen wie Blutzucker, Herz-Kreislauerkrankungen, Übergewicht, oder Fettstoffwechselstörungen sollten entsprechend therapiert werden. Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko.

    Sie sollten sich vor zu starken Lärmbelastungen, die das Innenohr schädigen, schützen.

    Menschen, die unter Stress leben, sollten sich dessen bewusst werden. Wenn man sich selbst zu viel zumutet oder von anderen überfordert wird, kann der Körper darauf unter Umständen mit einem Hörsturz reagieren. Diese Menschen haben oftmals eine Persönlichkeitsstruktur, die durch Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, starke Genauigkeit, Ehrgeiz und manchmal fehlendes Selbstvertrauen gekennzeichnet ist. Durch diese Eigenschaften können leicht Überforderungssituationen entstehen. Fehlt der Selbstschutz und die Fähigkeit, sich gegen Überlastung von Körper und Seele zu wehren und die eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen, reagiert der Körper mit entsprechenden Krankheiten. Hier setzten verschiedene Behandlungsmethoden an, bei denen gelernt wird, richtig mit sich selbst und den Stressfaktoren umzugehen.

     
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