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Entzündung des äußeren Gehörganges (Otitis externa diffusa)

Definition Anatomie Ursachen Symptome Untersuchung Therapie Prognose Vorbeugung
Verweis zur: Otitis externa necroticans ("maligna")
 
Definition

Die Gehörgangsentzündung (Otitis externa) tritt sehr häufig auf. Sie ist eine bakterielle, pilzbedingte oder allergische Entzündung der Haut des äußeren Gehörgangs ohne/mit Beteiligung des Trommelfells (Myringitis).
Oft ensteht sie nach Schwimmbadbesuch, Mikrotraumen (z.B. Wattestäbchen), bei Sensibilisierung durch Kosmetika und (Haar-)Waschmittel oder bei Gehörgangsexostosen (Gutartiges Knochenwachstum im Gehörgang).

Kleine Anatomie
Der äußere Gehörgang ist etwa 3,5 cm lang und endet vor dem Trommelfell. Er hat einen S-förmigen Verlauf, so dass das Trommelfell nicht direkt sichtbar ist. Er besteht aus einem äußeren knorpeligen und einem inneren knöchernen Anteil. Die Übergangsstelle, ca. 1 cm vor dem Trommelfell, ist sehr eng. Hier besteht z.B. die Gefahr der Einkeilung von Fremdkörpern.

Die Haut des Gehörganges besitzt im knorpeligen Teil Haare sowie Ohrenschmalzdrüsen, die den Ohrenschmalz (Cerumen) absondern. Ohrenschmalz hat wichtige Schutzfunktionen: Im Rahmen der Selbstreinigung des Gehörganges wird er selbständig zum Gehörgangseingang befördert. Dabei transportiert er Schmutz aus dem Gehörgang nach außen und hat somit eine Reinigungsfunktion. Außerdem bestehen gewisse bakterizide (Bakterien abtötende) und fungostatische (das Wachstum von Pilzen hemmende) Eigenschaften. Er dient somit dem Schutz des Ohres.

Mehr zur Anatomie des Ohres finden Sie HIER!
 
Ursachen

  • kleinste Verletzungen der Haut des Gehörganges, wie sie z.B. beim Reinigen mit dem Wattestäbchen oder anderen Hilfsmitteln entstehen. Durch diese Verletzungen können dann Bakterien eindringen, die Entzündungen verursachen. Außerdem fehlt durch das ständige Reinigen das schützende Ohrenschmalz.
  • verunreinigtes Wasser, welches im Gehörgang verbleibt.
    Nach dem Schwimmen in öffentlichen Gewässern ist eine Gehörgangsentzündung besonders im Sommer häufig. Ein Abfließen des Wassers wird z.B. durch viel Ohrenschmalz oder Exostosen, also gutartige Knochenvorsprünge im Gehörgang, verhindert.
  • Mittelohrentzündungen mit länger bestehender Ohrsekretion oder Gehörgangsekzem
  • Allergien (z.B.auf Haarwaschmittel, Ohrpassstück bei Hörgeräten, Ohrentropfen)
  • Das Schaffen einer "feuchten Kammer" durch das Ohrpassstück vom Hörgerät oder die regelmäßige Verwendung von Oropax begünstigt die Entstehung einer Gehörgangsentzündung.
  • Zoster-Virus-Infektion (Gürtelrose am Ohr - Zoster oticus)
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    Symptome

  • Die Gehörgangsentzündung beginnt meist mit einem Juckreiz.
  • Danach setzten starke brennende Schmerzen ein. Beim Zug an der Ohrmuschel und beim Kauen nehmen diese zu.
  • Oft kommt es zu einer Sekretion (Ohrenlaufen).
  • Durch das Zuschwellen des Gehörganges entsteht eine Schwerhörigkeit.
  • Fieber und Schwellung der Halslymphknoten können hinzutreten.
  • Bei der chronischen Form der Gehörgangsentzündung steht vor allen der Juckreiz im Vordergrund.
  • Die Gürtelrose am Ohr (Zoster oticus) zeichnet sich durch stechende Schmerzen und Blässchenbildung auch an der Ohrmuschel aus. Meist kommen hierbei Nervenentzündungen, die sich in Schwerhörigkeit, Schwindel oder Gesichtsnervenlähmung äußern, hinzu.
  • Komplikationen

    Bei älteren Patienten, die an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) leiden, kann die Gehörgangsentzündung einen sehr schweren Verlauf nehmen. Neben Entzündungen der Haut wird hier der umgebene Knochen mit erfasst. Das kann zu Knochenzerstörungen und Nervenlähmungen führen. Siehe: Otitis externa necroticans ("maligna")
    Eine verschleppte Gehörgangsentzündung kann sich in die Umgebung ausbreiten und so die Ohrmuschel oder dir angrenzende Ohrspeicheldrüse erfassen. Eine Abszeßbildung (Eiteransammlung) ist möglich.

     
    Untersuchungen

  • Beim Zug an der Ohrmuschel oder beim Druck auf den Knorpelvorsprung vor dem Gehörgangseingang (Tragus) verstärken sich die Schmerzen.
  • Erhebung der Krankengeschichte (Unsachgemäße Ohrreinigung?, Verletzung?, Baden?).
  • Der Gehörgang ist meist gerötet und verschwollen. Die Schwellung kann so stark sein, dass das Trommelfell nicht mehr sichtbar ist. Bei einer Entzündung, ausgehend von einem Haarbalg (Furunkel), zeigt sich anfangs oft eine kleine Schwellung, Rötung und Eiteraustritt am Gehörgangseingang.
  • Pilzinfektion: meist weißlicher bis dunkelbräunlicher Belag im Gehörgang, typischer Juckreiz.
  • Bei Hörminderung wird ein Hörtest, ggf. eine Gleichgewichtsprüfung durchgeführt. Im Einzelfall sind eine Röntgenaufnahme, ein Abstrich zur Erregerbestimmung, Blutuntersuchungen oder ein Allergietest notwendig.
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    Therapie

  • Reinigung des Gehörganges durch den HNO-Arzt, z.B. mittels Ohrspülung. Gegen die Schwellung werden in Alkohol getränkte Streifen eingelegt. Auch Kortison-Salben-Streifen finden Verwendung. Nach Zurückdrängen der Schwellung werden antibiotikahaltige Salben oder Ohrentropfen angewendet.
  • Bei einer Pilzinfektion: antimykotische (das Pilzwachstum hemmende) Salben und Tropfen. Es ist wichtig, den Gehörgang dann trocken zu halten. Das erreicht man z.B. durch Fönen nach dem Duschen oder Baden.
  • Bei Diabetikern und bei Komplikationen Verschreibung von Antibiotika als Tabletten oder Infusionen. Eine Eiteransammlung wird chirurgisch, meist in örtlicher Betäubung, inzidiert.
  • Schmerztabletten, Kühlende und desinfizierende Umschläge.
    Da Kauen die Schmerzen oft verstärkt, sollte man auf weiche Kost achten.
  • Eine virale Infektion (Zoster oticus) wird mit Virostatika, z.B. Aciclovir, therapiert. Bei gleichzeitigem Befall der Nerven, kommt meist eine Infusionsbehandlung mit einem durchblutungsfördernden Medikament hinzu.
  • Behandlung einer bestehenden Stoffwechselkrankheit (z.B. Zuckerkrankheit)
  • Ambulant oder stationär?
  • In der Regel ambulante Behandlung.
  • Operative Eingriffe ambulant oder stationär möglich
  • Behandlung der Otitis externa necroticans ("maligna") immer stationär

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    Prognose

    Eine Gehörgangsentzündung ist sehr schmerzhaft und kann langwierig sein. Sie heilt aber in den meisten Fällen folgenlos aus.
    Treten sie öfters auf, sollten erkennbare Ursachen beseitigt werden. Exostosen (Knochenvorsprünge im Gehörgang) können z.B. operativ entfernt werden.
    Eine Rezidivneigung findet man beim Ekzem, Pilzerkrankungen oder chronischer Mittelohrentzündung.
    Bei einer Gürtelrose des Ohres können eine Gesichtsnervenlähmung, Schwindel oder Schwerhörigkeit, aber auch Schmerzen über Monate zurückbleiben.

     
     
    Vorbeugung

  • Das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen oder anderen Instrumenten, sollte unterlassen werden. Der Gehörgang unterliegt einer Selbstreinigungsfunktion. Dabei transportiert der Ohrenschmalz Verunreinigungen aus den Gehörgang. Durch ständiges Säubern des Ohres wird diese Funktion gestört und schafft eine Basis für Entzündungen. Mikroskopisch kleine Verletzungen als Eintrittspforte für Bakterien, können durch eine unsachgemäße Reinigung entstehen.
  • Der Gehörgang sollte trocken gehalten werden. Nach dem Baden kann er z.B. mit einem Fön getrocknet werden.
  • Sie sollten ohne ärztliche Anweisung nichts in den Gehörgang stecken. Hierbei entsteht eine feuchte Kammer vor dem Trommelfell, die zu einem beschleunigtem Wachstum von Bakterien und Pilzen führt.
  • Patienten, die ein Hörgerät tragen oder zu einer verstärkten Bildung von Ohrenschmalz neigen, sollten die Ohrreinigung regelmäßig durch den HNO-Arzt durchführen lassen.
  • Stoffe, die Allergien auslösen, z.B. Ohrschmuck, Ohrentropfen, sollten dann nicht verwendet werden.
  • Bei Patienten mit Blutzucker muss der Blutzucker regelmäßig überprüft und entsprechend eingestellt sein.
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    Otitis externa necroticans ("maligna")

    Verweis zur: Entzündung des äußeren Gehörganges (Otitis externa)
    Definition Untersuchung Therapie
     
    Definition

    Diese Form der Entzündung ist eine schwere Form der Gehörgangsentzündung.
    Besonders Diabetikern und Patienten unter Immunsupression (Abwehrgeschwächte Patienten, z.B. bei AIDS) können davon betroffen sein.
    Sie wird durch den Erreger Pseudomonas aeruginosa hervorgerufen, ist sehr schmerzhaft und durch eine Mitbeteiligung des angrenzenden Knorpels und Knochens gekennzeichnet.

     
     
    Untersuchungen

    Folgende Untersuchungen können notwendig sein
  • Inspektion (Perichondritis)
  • Palpation (mit stumpfem Ohrhäkchen Gehörgang austasten: freiliegender, rauher Knochen spricht für Osteomyelitis)
  • HNO-Status
  • Ohrmikroskopie (foetide Sekretion, leicht blutende Granulationen im Gehörgang
  • Hörprüfung (Stimmgabel, Audiogramm)
  • Gleichgewichtsuntersuchung (Frenzel-Brille: spontaner oder latenter Nystagmus, Lage- und Lagerungsnystagmus)
  • Funktionsprüfung der Nerven facialis und trigeminus
  • Ultraschall: Ohrseicheldrüse, Hals
  • Abstrich: Erreger und Resistenz (Pseudomonas)
  • Röntgen: Schüller-Aufnahme
  • Blutzuckerbestimmung
  • Differentialblutbild, CRP, Blutsenkung
  • Interdisziplinäre Untersuchungen (Innere Medizin)

    Im Einzelfall wird durchgeführt:

  • Biopsie (Tumorausschluß)
  • Computertomografie (CT) / MRT: laterale Schädelbasis
  • Elektronystagmographie
  • Funktionsuntersuchung der kaudalen Hirnnerven (einschließlich Schirmer-Test und Überprüfung des Nervus stapedius sowie der Chorda tympani)
  • Szintigraphie (Schädel)

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    Therapie

  • Behandlung des zugrunde liegenden Diabetes mellitus (ggf. durch Internisten)
  • Tägliche subtile Gehörgangsreinigung, Kürettage der Granulationen
  • Gegen Pseudomonas wirksame Lokalbehandlung (z.B. Desinfizienz, Gentamicinsulfat, Polymyxin B, Ciprofloxazin oder Piperacillin)
  • Parenterale, hochdosierte kombinierte Antibiotikatherapie (z. B. Piperacillin oder Azlocillin und/oder Cefsulodin-Natrium, ggf. Gentamicinsulfat) Cave: Kurzfristige Audiogrammkontrollen (vor, nach, zweitägig während Therapie), Aminoglykosid-Serumspiegelbestimmung, Nierenfunktionskontrolle
  • Hyperbare Sauerstofftherapie
    Ambulant / stationär
    Bei gesicherter Diagnose erfolgt immer eine stationäre Behandlung
  • Operationsindikationen / (-prinzipien)
  • Abszeß oder Sequestrierung (Entfernung von Granulationsgewebe, Knochen- und Knorpelsequestern "im Gesunden", Drainage von Abszessen)
  • Persistenz der Entzündungt sowie klinisch, knochenszintigraphisch oder computertomographisch erkennbare Progredienz der Erkrankung trotz ausreichender konservativer Maßnahmen (in Abhängigkeit vom Ausmaß der entzündlichen Infiltration z.B. begrenztes Ausbohren des erkrankten Knochenbezirkes, Ohrradikaloperation, laterale Petrosektomie, ggf. mit Parotidektomie)

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